Landtagswahl am 8. März 2026
WAHLPRÜFSTEINE Baden-Württemberg
Mit den folgenden Fragen wendete sich das BÖB an alle Parteien und Wählergruppen, die sich 2026 um den Einzug in den 18. Landtag des Landes Baden-Württemberg bewerben und bereits im 17. Landtag vertreten waren. Wir möchten den Parteien damit Gelegenheit geben, die bildungspolitischen Prioritäten ihrer Partei zu verdeutlichen und ihr Engagement für die Jugendlichen, die in Umfragen immer wieder großes und wachsendes Interesse an ökonomischen Themen zeigen, zu verdeutlichen. Gerne veröffentlichen wir nachfolgend alle Antworten, die eingegangen sind, ohne Kürzungen oder redaktionelle Veränderungen.
1. Stellenwert Ökonomischer Bildung
Wie bewertet Ihre Partei den Stellenwert Ökonomischer Bildung als Allgemeinbildung einschließlich Wirtschaftsethik, Wirtschaftspolitik, Verbraucherbildung, Finanzbildung, Entrepreneurship Education und BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen, ökologischen, ökonomischen und politischen Herausforderungen, denen wir heute als Einzelne wie auch als demokratisch verantwortliche Gesellschaft gemeinsam gegenüberstehen?
Antwort der CDU
|
Die CDU steht seit Konrad Adenauer und Ludwig Erhard wie keine andere Partei für die Soziale Marktwirtschaft. Ökonomische Bildung ist für uns als CDU BW daher ein wichtiger Bestandteil der Allgemeinbildung. Damit verbinden wir das Wissen um Zusammenhänge von Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftsordnung. Ökonomische Bildung ist ein zentraler Baustein für die Mündigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger. Sie stärkt die Fähigkeit, das eigene Leben informiert, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu gestalten. Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Veränderungen wird es immer wichtiger, (wirtschaftliche) Zusammenhänge zu verstehen, Entscheidungen einzuordnen und die Folgen des eigenen Handelns realistisch abzuwägen – im privaten wie im beruflichen Alltag ebenso wie für ein starkes demokratisches Gemeinwesen. Damit verbinden sich auch ökonomische Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen. |
Antwort der SPD
| Der Stellenwert Ökonomischer Bildung ist hoch und in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Schülerinnen und Schüler müssen befähigt werden, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine funktionierende Wirtschaft und eine gerechte Weltgesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln – damit sichern wir unsere Demokratie. Für die SPD ist es daher von hoher Bedeutung, das ökonomische Bildung fächerübergreifend behandelt wird und dass das ganzheitliche Bildungskonzept Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) seit dem Schuljahr 2016/2017 in den Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg als Leitperspektive verankert ist und umgesetzt wird. |
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
|
Gute Schulen sorgen dafür, ob junge Menschen ihre Talente unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern haben oder wo sie aufwachsen, entfalten können. Für uns Grüne ist das eine Frage der Gerechtigkeit, aber auch der Zukunft unseres Landes. Schule muss deshalb mehr sein als Wissensvermittlung: Sie soll junge Menschen stark machen für ein selbstbestimmtes Leben, für gesellschaftliche Verantwortung und für eine sich rasant verändernde Welt. Für uns ist ökonomische Bildung ein zentraler Bestandteil von Allgemeinbildung und demokratischer Mündigkeit. Junge Menschen sollen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, um selbstbestimmt handeln und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch einordnen zu können. Dazu gehören nicht nur Finanzwissen oder unternehmerisches Denken, sondern auch Fragen von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, globaler Verantwortung und wirtschaftsethischen Zielkonflikten. In einer Zeit multipler Krisen, von Klimawandel über soziale Ungleichheit bis zu geopolitischen Umbrüchen, braucht es eine ökonomische Bildung, die Zusammenhänge sichtbar macht: zwischen Wirtschaft und Umwelt, zwischen Konsum und Ressourcen, zwischen politischem Handeln und wirtschaftlichen Strukturen. Wir wollen Schüler*innen besser auf das „wahre Leben“ vorbereiten. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen gehören für uns Zukunftskompetenzen selbstverständlich dazu: kritisches Denken, Teamarbeit, Medien- und KI-Kompetenz, demokratische Beteiligung sowie die Fähigkeit, Probleme kreativ zu lösen. Diese Kompetenzen vermitteln wir nicht abstrakt, sondern durch projektorientiertes Lernen, reale Anwendungen und Zusammenarbeit. Auch Gesundheitskompetenzen sowie eine praxisnahe Finanzbildung zu Themen wie Geld, Steuern, Versicherungen und Vorsorge wollen wir fördern, damit junge Menschen sicher und selbstständig durchs Leben gehen können Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das Leistung fördert, ohne auszusortieren, das motiviert, statt unter Druck zu setzen und das junge Menschen befähigt, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen. Denn wir sind uns sicher: Gute Bildung ist die stärkste Antwort auf Ungleichheit. |
Antwort der FDP
|
Wir als FDP BW messen der ökonomischen Bildung einen sehr hohen Stellenwert als Bestandteil der Allgemeinbildung bei. Sie befähigt junge Menschen, eigenverantwortlich zu handeln, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen, sowohl im privaten Alltag als auch als mündige Bürgerinnen und Bürger in einer demokratischen Gesellschaft. Wir setzen uns daher insbesondere dafür ein, dass Finanzbildung verbindlich, objektiv und praxisnah in allen weiterführenden Schulen vermittelt wird. Schülerinnen und Schüler sollen frühzeitig lernen, mit Geld verantwortungsvoll umzugehen, Risiken abzuwägen und langfristige finanzielle Entscheidungen einzuordnen. Dazu gehören aus unserer Sicht auch digitale Lernformate sowie die Einbindung externer Expertise. Darüber hinaus wollen wir unternehmerisches Denken und Handeln bereits in der Schule stärken. Entrepreneurship Education verstehen wir als wichtigen Beitrag, um Kreativität, Eigeninitiative, Innovationsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein zu fördern. Ökonomische Bildung umfasst für uns auch die Fähigkeit, wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Zusammenhänge zu verstehen und einzuordnen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie Wettbewerb, Innovation, staatliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Zielsetzungen zusammenwirken. Dies schließt auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit Fragen der wirtschaftlichen Verantwortung und Ordnung ein. Im Sinne einer umfassenden Bildung wollen wir junge Menschen außerdem zu mündigen Verbraucherinnen und Verbrauchern machen, die Konsumentscheidungen, Verträge und digitale Geschäftsmodelle kritisch beurteilen können. Nachhaltigkeit begreifen wir dabei auch als ökonomische Kompetenz: Wer ökologische Herausforderungen bewältigen will, muss wirtschaftliche Zusammenhänge, Zielkonflikte und Innovationspotenziale verstehen. Insgesamt sehen wir ökonomische Bildung als Schlüssel, um gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Herausforderungen selbstbestimmt und verantwortungsvoll t zu bewältigen. |
Antwort der AFD
|
Antwort liegt nicht vor (Stand: 02.03.2026)
|
2. Verankerung von Ökonomischer Bildung
Antwort der CDU
|
Wir messen als CDU BW der ökonomischen Bildung eine hohe Bedeutung bei. Mit der Einführung des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) zum Schuljahr 2025/26 wurde das Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) daher gestärkt. Zum Ausbau der Beruflichen Orientierung (BO) wurde der Stundenumfang um eine weitere Kontingentstunde auf vier erhöht und enger mit dem schulischen BO-Konzept verzahnt. WBS wird im G9 von Klassenstufe 8 bis 11 unterrichtet. An den Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen umfasst WBS sieben Kontingentstunden und beginnt bereits in Klassenstufe 7. Die CDU Baden-Württemberg möchte die Umsetzung der sogenannten „Innovationselemente“ gemeinsam mit der Schulpraxis beraten, begleiten und gemeinsam evaluieren. Mit der novellierten Verwaltungsvorschrift Berufliche Orientierung (VwV BO) vom 13.09.2025 wird der Prozess der BO verbindlich, systematisch und langfristig an allen auf der Primarstufe aufbauenden allgemeinbildenden Schulen verankert und weiterentwickelt. |
Antwort der SPD
|
Das Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ wurde unter einem SPD-geführten Kultusministerium in Baden-Württemberg eingeführt. Die Einführung war wichtig und richtig, um die wirtschaftlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler auszubauen und die Berufsorientierung an Schulen zu stärken. Weitere zusätzliche Stunden für ein Fach bedeuten allerdings immer, Stunden von einem anderen Fach wegzunehmen oder den Stundenplan allgemein zu erweitern. Beide Varianten sehen wir aktuell nicht als zielführend an und erachten es daher zum jetzigen Zeitpunkt für wichtiger, dass das Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ qualitätsvoll im Rahmen des jetzigen Stundenkontingents umgesetzt wird. |
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
|
Wir haben mit der neuen VwV Berufliche Orientierung vom September 2025 im Zuge der G9 Reform Berufliche Orientierung an allen weiterführenden Schulen mit Beginn der 5. Klasse verankert. Die Bedeutung der Beruflichen Orientierung für den Bildungserfolg, aber auch für die Wirtschaft im ländlichen Raum und das Handwerk wurde von uns anerkannt und entsprechend gefördert. Die Berufliche Orientierung an Schulen umfasst sowohl Ausbildungs- als auch Studienorientierung in allen Schularten. Praxisnahe Formate wie Betriebspraktika, Unternehmensbesuche oder Bewerbertrainings geben realistische Einblicke in die Arbeitswelt und helfen Schüler*innen, eigene Interessen mit beruflichen Anforderungen abzugleichen. Wir haben die Ausbildungsfähigkeit auch als Ziel der Gymnasien in §8 Schulgesetz festgeschrieben und damit die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gestärkt. Eine isolierte Erhöhung der Kontingentstunden im Fach WBS halten wir jedoch nicht für den entscheidenden Hebel. Ökonomische Bildung gelingt dann am besten, wenn sie fächerübergreifend und lebensnah vermittelt wird, etwa in Verbindung mit Demokratiebildung, Nachhaltigkeit, Verbraucherbildung oder digitaler Kompetenz. Durch die aktualisierte Stundentafelöffnungsverordnung können Schulen seit diesem Schuljahr ihre Ressourcen freier und ohne Genehmigungspflicht einsetzen und fächerübergreifend und projektorientiert arbeiten. Dabei kann auch von der einzelnen Fächern zugeordneten Gewichtung abgewichen werden – ein Spielraum, den bereits viele Schulen etwa im Rahmen von BNE aktiv nutzen. |
Antwort der FDP
|
Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass ökonomische Bildung sowie Berufs- und Studienorientierung an den weiterführenden Schulen insgesamt gestärkt werden. Gerade in der Sekundarstufe I – auch am Gymnasium – ist es aus unserer Sicht wichtig, Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit wirtschaftlichen Zusammenhängen, der Arbeitswelt sowie möglichen Bildungs- und Berufswegen vertraut zu machen. Wir wollen, dass Berufs- und Studienorientierung verbindlich und praxisnah gestaltet wird. Dazu gehören unter anderem Einblicke in unterschiedliche Berufsbilder, Kontakte zu Betrieben, Hochschulen und Ausbildungsstätten sowie Formate, die wirtschaftliche Realität erfahrbar machen. Ziel ist es, jungen Menschen eine fundierte Grundlage für selbstbestimmte Bildungs- und Lebensentscheidungen zu geben. Dafür setzen wir auf eine bessere curriculare Verankerung, praxisnahe Unterrichtskonzepte, qualifizierte Lehrkräfte sowie die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Unser Ziel ist es, die ökonomische Bildung und Berufsorientierung so auszugestalten, dass sie Schülerinnen und Schüler tatsächlich befähigt, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und realistische Perspektiven für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg zu entwickeln. |
Antwort der AFD
|
Antwort liegt nicht vor (Stand: 02.03.2026)
|
3. Lehrkräfteaus- und Weiterbildung
Welche Maßnahmen im Bereich der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung wird Ihre Partei umsetzen, um dem Anspruch einer berufsbegleitenden Professionalisierung im Bereich der Ökonomischen Bildung noch besser als heute gerecht zu werden?
Antwort der CDU
|
Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) unterstützt mit dem „BO Baukasten“ Schulen, Lehrkräfte und insbesondere das Tandem Schule-Berufsberatung bei der Erstellung eines schulspezifischen Konzepts zur Beruflichen Orientierung. Dieser umfasst Projekte zur praktischen Umsetzung Ökonomischer Bildung und soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Als CDU Baden-Württemberg setzen wir uns für eine bessere Verknüpfung der drei Phasen der Lehrkräfteausbildung und für mehr Evidenzbasierung ein. Best-Practice aus Unterricht und Schule sollte auch in Studium und Ausbildung einfließen. Dabei ist auch die ökonomische Bildung konsequent mitzudenken, nicht nur im Hinblick auf die Umsetzung der fächerübergreifenden Leitperspektive „Verbraucherbildung“ des Bildungsplans in Baden-Württemberg. |
Antwort der SPD
|
Die Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist bereits in den Ausbildungs standards der Seminare für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen verankert und somit verpflichtender Bestandteil in der Lehrkräfteausbildung in Baden Württemberg. Wir wollen diesen Prozess fortführen und weiter fördern, damit ökonomische Bildung auch weiterhin einen hohen Stellenwert in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung hat – daher werden wir Fortbildungsangebote bedarfsgerecht ausbauen und ökonomische Bildung in der Lehrkräfteausbildung noch stärker verankern. Die Möglichkeit der Schulen, ein bedarfsorientiertes Fortbildungsangebot zum Thema ökonomische Bildung durchzuführen, sollte weiter angeregt und verstärkt werden. Schulübergreifende Netzwerke bauen wir aus, auch um Best-Practice-Beispiele besser weitergeben zu können.
|
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
|
Wir setzen uns für eine Verbesserung der Qualität in allen Lehramtsstudiengängen und für einen stärkeren Praxisbezug im Lehramtsstudium in Baden-Württemberg ein. Ein stärker praxisorientierter Ansatz in der Lehrerbildung sowie eine verstärkte Integration pädagogischer Anteile im gymnasialen Lehramtsstudium sind wichtig, um angehende Lehrer*innen besser auf ihre vielfältigen beruflichen Aufgaben im Schulalltag vorzubereiten. Gerade im Bereich der ökonomischen Bildung kommt der berufsbegleitenden Professionalisierung eine besondere Bedeutung zu. Deshalb evaluieren wir die Fächerkoordination in Lehramtsstudiengängen, etablieren Begleitprogramme für das Referendariat und überprüfen die Bedingungen für die berufsbegleitende Weiterbildung von Lehrkräften. So wollen wir sicherstellen, dass ökonomische Themen – von Verbraucherbildung über wirtschaftliche Zusammenhänge bis hin zu nachhaltigem Wirtschaften – fundiert und praxisnah vermittelt werden können. |
Antwort der FDP
|
Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass Lehrkräfte in ihren Aus- und Fortbildungen verstärkt Kompetenzen in ökonomischen Fragestellungen erwerben. Dazu gehört aus unserer Sicht insbesondere:
Wir wollen das Bildungssystem qualitativ stärken, Lehrkräfte entlasten und ihnen durch praxisnahe Aus- und Fortbildung mehr Freiraum für ihre pädagogische Arbeit geben.
|
Antwort der AFD
|
Antwort liegt nicht vor (Stand: 02.03.2026)
|
4. Geschlechtersensible Ökonomische Bildung
Wie wirkt Ihre Partei darauf hin, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen, die dem Themenfeld der Ökonomischen Bildung zuzuordnen sind und im Ergebnis oft zur Benachteiligung von Mädchen und Frauen führen (u.a. Gender Gap bei Finanzen und der Berufswahl), in der Schule systematisch reflektiert und perspektivisch überwunden oder zumindest reduziert werden können?
Antwort der CDU
|
Als CDU Baden-Württemberg setzen wir uns für mehr gleichwertige Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt ein, insbesondere in MINT-Berufen und in Führungspositionen. Dazu gehört für uns eine Berufsorientierung (BO), die frei von Rollenklischees ist und über Formate wie den „Girls’ Day“ und „Boys’ Day“ hinausgehen sollte. Vorbilder und Role Models können entscheidend dazu beitragen, das Bewusstsein für eine gendersensible BO zu schärfen. Das „Umsetzungskonzept für eine zukunftsfähigere Berufliche Orientierung“ (Juli 2023) sowie die novellierte Verwaltungsvorschrift Berufliche Orientierung (VwV BO) vom September 2025 bieten eine gute Grundlage, gendersensible BO weiter zu stärken und Jugendliche zu ermutigen, Rollenbilder kritisch zu hinterfragen – auch mit Blick auf geschlechtsspezifische Segregation und damit verbundene Lohnunterschiede. Zugleich setzen wir als CDU Baden-Württemberg auf eine stärkere praktische Berufsorientierung an weiterführenden Schulen, die dazu beiträgt, Jugendlichen vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten im Abgleich mit individuellen Stärken, Begabungen und Entwicklungspotentialen aufzuzeigen. Angesichts des großen Fachkräftebedarfs ist eine attraktive, praxisnahe und ganzheitliche BO von zentraler Bedeutung. Die CDU BW begrüßt daher die Ausweitung von Bildungspartnerschaften zwischen Schulen, Unternehmen und Betrieben sowie Initiativen wie die der Ausbildungsbotschafter und das Format der Praktikumseinzeltage. |
Antwort der SPD
|
In keinem Bundesland sind die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen so groß wie in Baden-Württemberg. Deshalb entwickeln wir einen Aktionsplan zur Beseitigung des Gender-Pay-Gaps. Damit ergreifen wir Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Lohntransparenz sowie zu diskriminierungsfreien Karrierewegen. Die SPD unterstützt Bestrebungen zur Einführung eines Lohnatlas Baden-Württemberg. Dies sind Maßnahmen, die wir für Erwachsene ergreifen werden.
Für Kinder und Jugendliche gilt: Es bedarf einer Hinterlegung dieser Thematik im Bildungsplan, z.B. in der Leitperspektive Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt. Des Weiteren ist es notwendig, Materialien und Lehrbücher zu aktualisieren, so dass Lehrkräfte dies ganz selbstverständlich in den Unterrichtsalltag einbauen können. Denkbar ist auch die Schulung von Lehrkräften durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) zu geschlechtsspezifischen Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen und vor allem dazu, wie diese überwunden werden können. Sensibilisierte Lehrkräfte können die Problematik dann adäquat in ihren Unterrichtsalltag einbauen. |
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
|
Wir GRÜNE verfolgen eine Bildungspolitik, die u.a. Chancengleichheit, individuelle Förderung und Geschlechtergerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Wir wollen gezielt Geschlechterstereotype bei der Berufswahl abbauen. Das betrifft sowohl stark männlich als auch stark weiblich dominierte Berufe. Ziel ist es, allen Jugendlichen unabhängig von Geschlecht oder Identität faire Chancen in Ausbildung und Beruf zu eröffnen, Berufsbilder vielfältiger darzustellen und Diskriminierung abzubauen. Gleichzeitig wissen wir: Geschlechterungleichheiten entstehen nicht nur bei der Berufswahl, sondern auch im Umgang mit Geld, Risiko oder wirtschaftlicher Selbstständigkeit. Deshalb ist es wichtig, dass ökonomische Bildung in der Schule, im Elternhaus und in der Gesellschaft geschlechtersensibel vermittelt wird – etwa mit Blick auf Finanzentscheidungen, Altersvorsorge oder unternehmerisches Handeln. Für die berufliche Bildung setzen wir dabei auf zwei Ebenen an: strukturell, indem Geschlechtervielfalt in Bildungsplänen, Leitprinzipien der beruflichen Orientierung und Gleichstellungsstrategien des Landes verankert ist. Und praktisch, indem wir durch Projekte, Kampagnen und Fortbildungen traditionelle Rollenbilder in der Berufswahl aufbrechen. Die Regionalstellen des ZSL beraten Schulen und Lehrkräfte beispielsweise beim Aufbau einer klischeefreien Beruflichen Orientierung. Mit dem Projekt „Frauen im Handwerk“ motivieren wir konkret Frauen für eine Ausbildung im Handwerk und unterstützen junge Handwerkerinnen. Und auch der Hebammenberuf steht allen Geschlechtern offen und der Bedarf an Fachkräften ist hoch. Mit einer landesweiten Kampagne wollen wir deshalb gezielt auch Männer für diesen besonderen Beruf begeistern. Wir unterstützen außerdem ausdrücklich die Initiativen der Landesregierung, mit denen gezielt mehr Mädchen und junge Frauen für MINT Ausbildungen und -Berufe gewonnen werden. Auch die Aktionstage Girls’ Day und Boys’ Day bieten Jugendlichen die Chance, Berufs- und Studienfelder kennenzulernen, die sie nur selten in Betracht ziehen. |
Antwort der FDP
|
Wir als FDP BW erkennen an, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen – beispielsweise im Bereich Finanzkompetenz oder Berufswahl – vielfach zu Benachteiligungen von Mädchen und Frauen führen können. Gleichzeitig betonen wir, dass Schule die Aufgabe hat, alle Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, damit sie ihre Potenziale entfalten können – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialer Lage. Wir wollen, dass Unterricht so gestaltet wird, dass er stereotype Erwartungshaltungen aufbricht und Schülerinnen wie Schüler ermutigt, wirtschaftliche Themen selbstbewusst anzugehen, etwa durch kompetenzorientierte Aufgabenstellungen, die Verantwortung, Reflexion und Problemlösefähigkeiten fördern. Wir setzen uns dafür ein, dass Lehrkräfte in ihrer beruflichen Weiterbildung auch Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Wahrnehmungsmuster erhalten, damit Unterricht gendersensibel gestaltet werden kann, ohne dabei Rollenklischees zu reproduzieren. Wir unterstützen praxisnahe Berufsorientierungsangebote, die allen Geschlechtern gleichermaßen Einblicke in unterschiedliche Ausbildungs- und Studienwege geben, um traditionelle Muster in der Berufswahl zu überwinden. Vor diesem Hintergrund wollen wir dazu beitragen, dass Schule nicht nur Fachwissen, sondern auch Reflexions- und Entscheidungskompetenz vermittelt – so dass junge Menschen, unabhängig von Geschlecht, fundierte, selbstbestimmte Entscheidungen über Finanzen und berufliche Wege treffen können.
|
Antwort der AFD
|
Antwort liegt nicht vor (Stand: 02.03.2026)
|