Landtagswahl am 22. März 2026

WAHLPRÜFSTEINE Rheinland-Pfalz

Mit den folgenden Fragen wendete sich das BÖB an alle Parteien und Wählergruppen, die sich 2026 um den Einzug in den 19. Landtag des Landes Rheinland-Pfalz bewerben und bereits im 18. Landtag vertreten waren. Wir möchten den Parteien damit Gelegenheit geben, die bildungspolitischen Prioritäten ihrer Partei zu verdeutlichen und ihr Engagement für die Jugendlichen, die in Umfragen immer wieder großes und wachsendes Interesse an ökonomischen Themen zeigen, zu verdeutlichen. Gerne veröffentlichen wir nachfolgend alle Antworten, die eingegangen sind, ohne Kürzungen oder redaktionelle Veränderungen.

1. Stellenwert Ökonomischer Bildung

Wie bewertet Ihre Partei den Stellenwert ökonomischer Bildungsanliegen einschließlich Wirtschaftsethik, Wirtschaftspolitik, Verbraucherbildung, Finanzbildung, Entrepreneurship Education und BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Herausforderungen, denen wir heute als Einzelne wie auch als demokratisch verantwortliche Gesellschaft gemeinsam gegenüberstehen?

Antwort der CDU

Die CDU Rheinland-Pfalz möchte Menschen dazu befähigen, nicht nur ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten, sondern auch aktiv am gesellschaftlichen Zusammenleben mitwirken zu können. Ökonomische Bildung in all ihren Facetten ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung junger Menschen hin zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern.

Sowohl bei Alltagsfragen wie dem privaten Haushalten mit dem eigenen Einkommen oder dem Umgang mit Krediten, als auch bei komplexeren und weitreichenden Entscheidungen wie der Berufswahl, der Vermögensbildung oder dem Verständnis für kluge Altersvorsorge – überall gilt gleichermaßen: Wer weiß, wie Sachverhalte zusammenhängen, wer Risiken und Chancen realistisch abschätzen kann, der kann verantwortungsvolle Entscheidungen treAen. Globale Dynamiken mit Blick auf Lieferketten, Energiepreise, Klimapolitik, Migration oder internationale Krisen wirken sich unmittelbar auf Arbeitsplätze, Preise und Lebensbedingungen vor Ort aus. Wer solche Wechselwirkungen versteht, kann politische Entscheidungen besser einordnen, populistische Vereinfachungen durchschauen und konstruktiv an Lösungen mitwirken – etwa bei Fragen nachhaltigen Wirtschaftens, fairen Welthandels oder der Digitalisierung der Arbeitswelt.

Ein gesteigertes Grundverständnis für ökonomische Zusammenhänge, bis hin in den globalen Kontext, hilft also nicht nur, das eigene Leben erfolgreich und eigenverantwortlich zu strukturieren, sondern auch demokratische Entscheidungen mit Wirtschaftsbezug nachzuvollziehen. Verständnis ermöglicht kluge Wahlentscheidungen und erhöht die Akzeptanz demokratischer Prozesse.

Vor diesem Hintergrund sehen wir als CDU Rheinland-Pfalz ökonomische Bildung als einen unverzichtbaren Bestandteil allgemeiner Bildung und einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe.

Antwort der SPD
Unsere Schulen haben den Auftrag, unsere Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, gut informierte Entscheidungen treffen zu können. Dazu gehört aus Sicht der SPD Rheinland-Pfalz auch, dass sie wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und über alle Schularten hinweg ökonomische Bildung erlernen. Ökonomische Bildung hat demzufolge einen hohen Stellenwert, denn sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen, sozialen und nachhaltigen Entwicklung unseres Landes. Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Umbrüche – vom Klimawandel über die digitale Transformation bis hin zu globalen Krisen – ist es Aufgabe schulischer Bildung, junge Menschen zu mündigem, verantwortungsbewusstem und solidarischem Handeln zu befähigen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Wirtschaftsethik und Wirtschaftspolitik. Schülerinnen und Schüler sollen wirtschaftliche Prozesse nicht nur nachvollziehen, sondern auch mögliche soziale und ökologische Folgen beurteilen können. Es geht darum, wirtschaftliches Handeln im Kontext von sozialer Gerechtigkeit, guter Arbeit, Mitbestimmung und einer starken öffentlichen Daseinsvorsorge zu reflektieren. Dabei müssen auch Verbraucher- und Finanzbildung zentrale Bausteine ökonomischer Bildung in Rheinland-Pfalz sein. Wir wollen junge Menschen fit machen, sich in einer zunehmend komplexen Konsum- und Finanzwelt zurechtfinden zu können.
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Aus GRÜNER Sicht ist ökonomische Bildung ein unverzichtbarer Bestandteil von Allgemeinbildung, der Menschen befähigt, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. Aus diesem Grund wollen wir auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung, Verbraucherbildung, Demokratiebildung sowie ökonomische Kompetenzen ausdrücklich als Querschnittsaufgaben des Schulsystems in Rheinland-Pfalz verankern und knüpfen damit an die bestehenden landesweiten Richtlinien zur Ökonomischen Bildung und Verbraucherbildung an. Wir GRÜNEN sehen Ökonomische Bildung – inklusive Wirtschaftsethik, Finanzbildung, Verbraucherbildung, Entrepreneurship Education und BNE – als Voraussetzung für selbstbestimmte Teilhabe und nachhaltigen Wohlstand, weil wirtschaftliches Handeln für uns immer auch politisches und ökologisches Handeln ist.
Antwort der FDP

Ökonomische Bildung hat für uns Freie Demokraten einen hohen Stellenwert. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Allgemeinbildung und eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt, verantwortungsvoll und informiert gestalten können. In einer Zeit wachsender wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen ist es entscheidend, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, Entscheidungen einordnen zu können und die Folgen des eigenen Handelns abzuwägen – sowohl im privaten Alltag als auch im demokratischen Gemeinwesen.

Ökonomische Bildung befähigt junge Menschen, mit Geld, Arbeit, Ressourcen und Risiken reflektiert umzugehen, wirtschaftliche Prozesse kritisch zu hinterfragen und unterschiedliche Interessenlagen zu erkennen. Sie fördert damit nicht nur individuelle Handlungsfähigkeit, sondern auch Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Für uns ist sie deshalb ein wichtiger Beitrag zu einer mündigen Bürgerschaft und zur Stärkung der freiheitlich-demokratischen Ordnung.

Antwort der AFD

Die AfD als wirtschaftsfreundliche Partei misst der Ökonomie einen sehr hohen Stellenwert bei. Das zeigt sich in Rheinland-Pfalz unter anderem im Engagement der AfD-Landtagsfraktion für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Was nun konkret die Ökonomische Bildung angeht, so sei in diesem Zusammenhang exemplarisch auf eine parlamentarische Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der AfD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz, Joachim Paul, verwiesen. Sie trägt den Titel „Unternehmergeist an Schulen“ (Drucksache 18/5456), die Vorbemerkung hat folgenden Wortlaut: „Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, forderte im Handelsblatt eine verstärkte Unterrichtung des Faches Wirtschaft, insbesondere des Bereichs ‚Unternehmergeist‘, an den Schulen. Ripsas bezieht sich auf die Lissabon-Strategie, wonach seit dem Jahr 2000 Unternehmertum als EU-Bildungsziel festgeschrieben ist.“ Mit dieser parlamentarischen Anfrage untermauerte Joachim Paul die AfD-Forderung nach einer verstärkten Unterrichtung des Faches Wirtschaft.

Der AfD vertritt die Auffassung, dass es zur Stärkung des Unternehmergeistes unbedingt einer neuen Lernkultur an unseren Schulen bedarf. Der Leistungsbegriff muss wieder uneingeschränkt bejaht werden. Leistung und Anstrengungsbereitschaft müssen im Zentrum der Lehrpläne und der Bildungspolitik stehen, sind diese Tugenden doch Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmertum. Zudem gilt es, die Bildungsstandards aller Schulformen und Bildungseinrichtungen wieder auf das Niveau einer führenden innovativen Wissenschafts- und Industrienation anzuheben, statt permanent Leistungsanforderungen zu senken. Eine ehrliche Feedback-Kultur muss wiederhergestellt werden. Zu diesem Themenkomplex hat die AfD-Landtagsfraktion im September 2025 einen umfangreichen Antrag mit dem Titel „Bildungswende: Leistung und Anstrengungsbereitschaft fördern statt sabotieren“ (Drucksache 18/12880) ins Landtagsplenum eingebracht.

2. Integration Ökonomischer Bildung

Duch welche Maßnahmen stellt Ihre Partei sicher, dass ökonomische Bildungsinhalte im allgemeinbildenden Schulwesen in Rheinland-Pfalz, insbesondere aber in der lehrpraktischen Unterrichtsgestaltung der Integrationsfächer Sozialkunde und Gesellschaftslehre nicht mehr länger kaum berücksichtigt werden?

Antwort der CDU

Wir setzen uns für eine Stärkung des Bereichs Wirtschaft und Finanzen im Fach Sozialkunde ein. So wollen wir die Fähigkeit junger Menschen verbessern, wirtschaftliche Zusammenhänge einschätzen zu können und ihre Zukunft eigenverantwortlich zu gestalten. Dafür braucht es klare und verbindliche Ziele in den Lehrplänen – etwa zu Haushaltsführung, Verträgen, Banken, Unternehmen sowie dem Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft. 

Ergänzend sollten ökonomische Themen fächerübergreifend aufgegriffen werden: In Mathematik kann mit Haushaltsbudgets und Krediten gerechnet werden, in Deutsch oder Fremdsprachen kann Werbesprache und Konsum reflektiert werden und im Rahmen von Bildung für nachhaltige Entwicklung kann über fairen Handel, Kreislaufwirtschaft und globale Lieferketten gesprochen werden. 

Besonders wirksam sind zudem projektorientierte Formate wie z. B. Schülerfirmen oder Social-Entrepreneurship-Projekte, in denen reale Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, kalkuliert und präsentiert werden. Neben dieser Verankerung ökonomischer Bildung auf Schulebene braucht es auch eine Stärkung tragfähiger Kooperationen mit regionalen Unternehmen, Verbänden und Kammern. So können wir dafür sorgen, dass theoretische Inhalte nicht abstrakt bleiben, sondern für Schülerinnen und Schüler konkret erlebbar werden. Damit fördern wir Kreativität, Innovationsfähigkeit und Unternehmergeist junger Menschen, die Herausforderungen mutig angehen und lösen:

Das ist der Kern unternehmerischen Handelns. Auf Ebene der Kultusminister wollen wir uns darüber hinaus dafür einsetzen, dass sich Deutschland am Finanzmodul der regelmäßigen PISA-Studie beteiligt. Mit den daraus gewonnenen repräsentativen Daten wollen wir die Finanzbildung gezielt und unabhängig verbessern.

Antwort der SPD

Als SPD ist es uns wichtig, dass ökonomische Bildungsinhalte in allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz – vor allem in den Fächern Sozialkunde und Gesellschaftslehre – verbindlich und wirksam berücksichtigt werden: Ökonomische Bildung ist als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip verbindlicher Bestandteil aller allgemeinbildenden Schulen:

Das Fach Gesellschaftslehre führt politische, soziale, historische und ökonomische Perspektiven zusammen und stellt damit sicher, dass wirtschaftliche Fragestellungen systematisch im Unterricht behandelt werden können. Wir setzen bei der Ausgestaltung der Lehrpläne auf eine

kompetenz- und lebensweltorientierte Vermittlung, weil ökonomische Bildung eben nicht auf isoliertes Fachwissen abzielt, sondern auf die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, wirtschaftliche Entscheidungen zu analysieren, zu beurteilen und verantwortungsvoll zu treffen.

Dabei wird die lehrpraktische Umsetzung durch handlungs- und problemorientierte Unterrichtsformen gestärkt – insbesondere durch Planspiele, Projektunterricht, Fallanalysen und die Einbindung realer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fragestellungen. Das fängt ganz niedrigschwellig schon mit der Frage an: „Wozu brauche ich Taschengeld und wie komme ich damit aus?“ über die Frage „Wie eröffne ich ein Konto?“ bis hin zu komplexen Planspielen zu Unternehmensführung oder Produkteinführungen.

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Für uns GRÜNE ist klar, wenn wir eine zukunftsfeste Bildung wollen, müssen wir an die Lehrpläne ran. Diese wollen wir entschlacken, stärker an den Interessen der Schüler:innen ausrichten sowie mehr Freiräume für Lehrkräfte schaffen, damit im Unterricht die Themen zu behandelt werden können, die für die Schüler:innen Relevanz haben.  In dem Zusammenhang wollen wir stärker auf Zukunftskompetenzen fokussieren, um Raum für BNE, ökonomische Zusammenhänge, Finanzbildung und Berufsorientierung im Ganztag und im Regelunterricht zu schaffen. Vor diesem Hintergrund werden wir die Integrationsfächer Sozialkunde und Gesellschaftslehre so weiterentwickeln, dass wirtschaftspolitische Grundfragen, Finanz- und Verbraucherbildung, unternehmerisches Handeln und globale Lieferketten systematisch und altersgerecht im Unterricht in allen Schulformen vorkommen.
Antwort der FDP

Wir Freie Demokraten sehen die Notwendigkeit, ökonomische Bildungsinhalte im allgemeinbildenden Schulwesen in Rheinland-Pfalz sichtbarer und wirksamer zu verankern. In der laufenden Wahlperiode wurde bereits das Fach Sozialkunde ausgeweitet. Damit haben wir auch die strukturellen Voraussetzungen verbessert, um wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Fragestellungen im Unterricht stärker zu berücksichtigen. Diesen Prozess wollen wir weiter vorantreiben und der ökonomischen Bildung im Rahmen des Sozialkundeunterrichts mehr Bedeutung verschaffen. Ergänzend wurde die landesweite Handreichung zur Ökonomischen Bildung aktualisiert und erweitert, um Lehrkräften eine praxisnahe Unterstützung für den Unterricht zu bieten.

Für die kommende Wahlperiode setzen wir – im Einklang mit unserem Wahlprogramm – insbesondere auf strukturelle Verbesserungen. Ein zentraler Baustein ist die Einführung und Stärkung von Wahlpflichtfächern an allen Schulformen, ausdrücklich auch am Gymnasium. Die bisherigen Wahlpflichtfächer, darunter „Wirtschaft und Verwaltung“ (WuV), sollen zu vollwertigen Hauptfächern werden. Dadurch wird es möglich, ökonomische Bildung nicht nur integriert, sondern auch eigenständig, vertieft und praxisnah zu vermitteln. Perspektivisch eröffnen sich so auch Möglichkeiten für Leistungs- und Grundkursangebote in der Oberstufe.

Darüber hinaus stehen wir für mehr Schulfreiheit und Profilbildung. Schulen sollen stärker selbst entscheiden können, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie setzen – auch im Bereich der ökonomischen Bildung. Ergänzend haben wir uns für eine stärkere und praxisnähere Berufsorientierung eingesetzt, um Schülerinnen und Schülern frühzeitig realistische Einblicke in Wirtschaft und Arbeitswelt zu ermöglichen.

Antwort der AFD

Ein künftiger AfD-Bildungsminister wird in einem ersten Schritt mit einem Schreiben an alle Schulleiter und Lehrer darauf hinweisen, dass es von hoher Bedeutung für unser Gemeinwesen ist, dass ökonomische Bildungsinhalte gestärkt werden. Auf diese Weise könnte umgehend ein Effekt erzielt werden, denn: Die Bildungsinhalte an sich sind bereits ausgearbeitet und liegen den Lehrern vor. Sie finden nur zu selten Berücksichtigung, weil aufgrund verschiedener Faktoren andere Lerninhalte vorgezogen werden.

In einem zweiten Schritt werden die ökonomischen Bildungsinhalte aus den Integrationsfächern Sozialkunde und Gesellschaftslehre herausgelöst und in einem eigenen Fach präsentiert werden. Entsprechend muss dann die Stundentafel angepasst werden. Dadurch wird eine entscheidende Verbesserung erreicht.

3. Lehrkräfteaus- und -weiterbildung

Welche Maßnahmen plant Ihre Partei zur Stärkung der Ökonomischen Bildung im Bereich der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung in Rheinland-Pfalz, um das wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische Wissen der Lehrkräfte aktuell zu halten?
Antwort der CDU

Gut und modern ausgebildete Lehrkräfte sind ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg junger Menschen. Ökonomische Bildung soll deshalb systematisch in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung – Studium, Vorbereitungsdienst und Fort- und Weiterbildung – gestärkt werden. Bereits im Lehramtsstudium müssen verbindliche Module verankert werden, die Lehrkräfte fachlich und didaktisch dazu befähigen, ökonomische Inhalte kompetent zu vermitteln. Dies gilt insbesondere für Lehramtsstudierende im Fach Sozialkunde. In diesem Zusammenhang halten wir es für notwendig, die bestehenden Modulhandbücher zu überprüfen und weiterzuentwickeln, um ökonomische Inhalte angemessen und zeitgemäß abzubilden.

Unerlässlich ist aus unserer Sicht zudem eine bessere Information der Lehrkräfte über die Vielzahl an Projekten, Angeboten und Materialien zur ökonomischen Bildung, die in Anspruch genommen werden können. Hier setzen wir auf gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote, die Lehrkräfte in die Lage versetzen, diese Materialien didaktisch sinnvoll und gewinnbringend im Unterricht einzusetzen. Auch die berufliche Orientierung sowie weitere Querschnittsaufgaben wollen wir konsequent und verbindlich in der Lehrkräftebildung verankern.

Durch die Integration ökonomischer Sachverhalte in anderen Schulfächern stellen wir sicher, dass neben den Schülern auch Lehrkräfte regelmäßig Berührungspunkte mit ökonomisch relevanten Fragestellungen haben, die zur Auseinandersetzung einladen. Entsprechend werden wir geeignete Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte schaffen und prüfen, die finanzielle Allgemeinbildung ebenfalls verbindlich in allen drei Phasen der Lehrerbildung zu verankern.

Unser Ziel ist ein Schulalltag, in dem Schülerinnen und Schüler ökonomische Fragestellungen nicht nur abstrakt kennenlernen, sondern sie in verschiedenen Fächern, Projekten und realen Lebenssituationen verstehen, reflektieren und auf ihr eigenes Leben anwenden können.

Antwort der SPD

Ein zentraler Hebel zur Steigerung ökonomischer Inhalte ist die systematische Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Das Land stellt dafür ein vielfältiges Unterstützungssystem bereit, etwa durch das Beratungsnetzwerk Ökonomische Bildung, Fortbildungsangebote wie „Ökonomische Bildung Online“ und schulinterne Fachkonferenzen.

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir GRÜNEN machen uns für eine moderne, praxisnahe Lehramtsausbildung im Stufenlehramt, in der Querschnittsthemen wie BNE, Demokratiebildung, Digitalisierung und inklusive Pädagogik verbindlicher Bestandteil des Studiums sind. Wir setzen auf kontinuierliche Fort- und Weiterbildung und planen ein modernes Weiterbildungsgesetz, das qualifizierte Lehrende und regelmäßige Fortbildung strukturell absichert. Letztendlich werden auch hier die Lehrpläne ausschlaggebend sein, da sich daran auch die Studieninhalte sowie die Fort- und Weiterbildung orientieren.
Antwort der FDP

Die akademische Ausbildung der Lehrkräfte für Sozialkunde braucht zukünftig qualitativ bessere Angebote im Bereich der ökonomischen Bildung und darf nicht als unwichtiges Nebenfach betrachtet werden. Nur eine fachlich sichere Lehrkraft kann auch qualitativ guten Wirtschaftsunterricht ermöglichen.

Die Qualität ökonomischer Bildung hängt entscheidend von gut ausgebildeten und regelmäßig fortgebildeten Lehrkräften ab. Deshalb wollen wir die Lehrkräfteaus- und -weiterbildung in diesem Bereich gezielt stärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei für uns das Pädagogische Landesinstitut, dessen Fortbildungsangebote wir weiter ausbauen und stärker bewerben wollen. Dabei sollen auch Kooperationen mit externen und privaten Anbietern möglich sein, sofern diese qualitativ hochwertig und praxisnah arbeiten.

Darüber hinaus setzen wir auf individuelle Anreize für kontinuierliche Fortbildung. Im Rahmen unseres Konzepts einer leistungsgerechten Bezahlung sollen regelmäßige Weiterbildungen – auch im Bereich der ökonomischen Bildung – ausdrücklich anerkannt und finanziell honoriert werden. Engagement, fachliche Aktualität und Weiterentwicklung müssen sich für Lehrkräfte lohnen. Das Leistungsprinzip sollte insgesamt im gesamten Bildungskontext an Bedeutung gewinnen.

Zudem wollen wir die Praxisanteile im Lehramtsstudium ausbauen. Eine stärkere Verzahnung von Theorie und schulischer Praxis trägt dazu bei, wirtschaftliche Inhalte nicht nur fachlich korrekt, sondern auch didaktisch wirksam im Unterricht umzusetzen.

In Verbindung mit den Plänen, das Wahlpflichtfach „Wirtschaft und Verwaltung“ an allen Schulformen einzuführen, kommen neben den Sozialkundelehrkräften auch Lehrkräfte für WuV an die Schulen, die ein deutlich stärker an den Wirtschaftswissenschaften orientiertes Studium absolviert haben und damit ökonomische Kenntnisse in die Schulen einbringen, von denen die Kollegien im Rahmen interner Fortbildungen profitieren können.

Antwort der AFD

Die Lehreraus- und -weiterbildung muss sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Dazu gehört ein stärkerer Fokus auf wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische Inhalte. Beispielsweise befassen sich Fachtagungen des Pädagogischen Landesinstitutes zu oft mit Randphänomenen („antimuslimischer Rassismus“, „Queerfeindlichkeit“ etc.).

Unser Ziel ist ein niveauvoller Unterricht mit einer guten Wissensvermittlung. Dazu müssen unserer Lehrer befähigt werden. Woke Projekte, die unseren Schülern die „richtige“ Haltung beibringen wollen zu Themen, die in der Gesellschaft umstritten sind, haben aus unserer Sicht in der Schule nichts verloren. Die AfD will unsere Kinder und Jugendlichen zu mündigen und selbständig denkenden Bürgern erziehen. Dazu braucht es kein betreutes Denken in der Schule. Dem entsprechend muss auch die Lehreraus- und -weiterbildung angepasst werden – weg von woken Themen, hin zu einer Wissensvermittlung, die gut ausgebildete Schüler hervorbringt, die unseren Wohlstand stärken.

4. Geschlechtersensible Ökonomische Bildung

Wie wirkt Ihre Partei darauf hin, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen, die dem Themenfeld der Ökonomischen Bildung zuzuordnen sind und im Ergebnis oft zur Benachteiligung von Mädchen und Frauen führen (u.a. Gender Gap bei Finanzen und der Berufswahl), in der Schule systematisch reflektiert und perspektivisch überwunden oder zumindest reduziert werden können?

Antwort der CDU

Eine umfassende und breit aufgestellte ökonomische Bildung umfasst selbstverständlich auch kritische Themen und Fragestellungen wie die wirtschaftliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Frauen und Mädchen müssen die gleichen Aufstiegs-, Einkommens- und Vermögenschancen haben – ausschlaggebend soll die persönliche Leistung sein, und nicht das Geschlecht.

Konkret bedeutet das: Unterrichtsmaterialien und Beispiele sollen Frauen und Männer gleichermaßen als Entscheiderinnen und Entscheider, Gründerinnen und Gründer sowie Fach- und Führungskräfte sichtbar machen. Zudem sollen Lehrkräfte im Studium und in Fortbildungen sensibilisiert und dabei unterstützt werden, eigene Erwartungen und unbewusste Vorurteile zu reflektieren.

Wir wollen Berufsorientierung und ökonomische Bildung enger verzahnen und Schülerinnen gezielt zu ermutigen, auch gut bezahlte, traditionell männlich dominierte Berufe und Studiengänge sowie unternehmerische Wege in den Blick zu nehmen. Dazu gehören Kooperationen mit weiblichen Vorbildern aus Wirtschaft, Finanzsektor und Selbstständigkeit, Mentoringprogramme und Praxiskontakte, die zeigen: Wirtschaft und Finanzen sind kein „Männerthema“.

Antwort der SPD
Grundsätzlich verfolgt die SPD das Ziel, ökonomische Bildung so auszugestalten, dass sie zur Chancengleichheit beiträgt, stereotype Rollenbilder abbaut und Mädchen wie Jungen befähigt, ihre Bildungs-, Berufs- und Finanzentscheidungen selbstbestimmt und informiert zu treffen. Dies kann gelingen, indem ökonomische Bildung konsequent gleichstellungsorientiert, kompetenzbezogen und lebensweltlich im Schulunterricht behandelt wird. Ökonomische Bildung in Rheinland-Pfalz ist daher gemäß der Richtlinie des Bildungsministeriums „Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen“ so angelegt, dass sie alle Schülerinnen und Schüler unabhängig vom Geschlecht in ihrer Rolle als Verbraucherinnen, Erwerbstätige und Wirtschaftsbürgerinnen stärkt. Die Richtlinie betont ausdrücklich die Förderung von Mündigkeit, Autonomie und Verantwortung und zielt darauf ab, selbstbestimmte ökonomische Entscheidungen zu ermöglichen. In dem Zusammenhang wird die kritische Reflexion struktureller Ungleichheiten angestrebt; ökonomische Themen wie Arbeitsmarkt, Einkommen, soziale Sicherung oder Berufsorientierung sollen stets im Zusammenhang mit sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen behandelt werden.
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist Teil unserer GRÜNEN DNA. Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit hat für uns Priorität. Wirtschaftliche Unabhängigkeit und Abbau struktureller Benachteiligungen – dazu gehören auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei Einkommen, Vermögen, Finanzen und Berufswahl – müssen endlich Realität werden. Dementsprechend legen wir großen Wert auf eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung jenseits von Stereotypen und ermöglichen insbesondere Mädchen und jungen Frauen im Rahmen der Praxistage und der vielfältigen MINT-Angebote technische und handwerkliche Berufe zu erkunden und sie für Zukunftsfelder der ökologischen Transformation zu gewinnen. Auch im Rahmen unserer Bemühungen die ökonomische Bildung stärker als bisher in unseren Lehrplänen zu verankern, werden wir großen Wert darauf legen immer auch die Gleichstellungsperspektiven mitzudenken, so dass Gender Pay Gap, Gender Pension Gap und auch der Gender Care Gap auch schulischerseits durch Aufklärung und Bildung entgegengewirkt wird.
Antwort der FDP

Wir Freie Demokraten stehen für eine Bildungspolitik, die junge Menschen unabhängig von Geschlechterrollen stärkt und ihnen ermöglicht, Entscheidungen nach ihren individuellen Interessen, Fähigkeiten und Lebensentwürfen zu treffen. Uns ist bewusst, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster – etwa im Umgang mit Geld, bei wirtschaftlichen Themen oder in der Berufsorientierung – noch immer zu Benachteiligungen von Mädchen und Frauen führen können.

Deshalb unterstützen wir gezielt Maßnahmen, die Selbstvertrauen, Kompetenzen und wirtschaftliche Eigenständigkeit von jungen Frauen fördern, etwa durch das Ada-Lovelace-Projekt. Ergänzend befürworten wir Informations- und Bildungsangebote im Bereich „Frauen und Finanzen“, die finanzielle Kompetenzen stärken und zu informierten Entscheidungen befähigen.

In der Schule setzen wir auf eine reflektierte Auseinandersetzung mit solchen Rollenbildern. Ziel ist es, wirtschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen zugänglich sind, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und langfristig zu mehr Chancengleichheit beitragen. Letztlich führt ökonomische Kompetenz auch zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit und damit zu mehr Resilienz für jeden einzelnen Menschen.

Antwort der AFD

Einen Unterricht, der geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen in den Blick nimmt, halten wir für nicht zielführend. Die Schule ist nicht dazu, alle möglichen Benachteiligungen (sozialer Art, Geschlecht, Herkunft etc.) zu egalisieren.  Wir gehen davon aus, dass ein Unterricht, der wieder Leistung und Wissen in den Vordergrund stellt, zu besseren Ergebnissen führt. Davon profitieren alle Schüler, auch diejenigen aus möglicherweise „benachteiligten“ Gruppen. Wir sind durchaus der Meinung, dass wir mit sehr guten ökonomischen Bildungsinhalten auch Mädchen dafür begeistern können, dass sie gut bezahlte Berufe im Bereich Wirtschaft und Finanzen anstreben und finden.