Landtagswahl am 22. März 2026
WAHLPRÜFSTEINE Rheinland-Pfalz
Mit den folgenden Fragen wendete sich das BÖB an alle Parteien und Wählergruppen, die sich 2026 um den Einzug in den 19. Landtag des Landes Rheinland-Pfalz bewerben und bereits im 18. Landtag vertreten waren. Wir möchten den Parteien damit Gelegenheit geben, die bildungspolitischen Prioritäten ihrer Partei zu verdeutlichen und ihr Engagement für die Jugendlichen, die in Umfragen immer wieder großes und wachsendes Interesse an ökonomischen Themen zeigen, zu verdeutlichen. Gerne veröffentlichen wir nachfolgend alle Antworten, die eingegangen sind, ohne Kürzungen oder redaktionelle Veränderungen.
1. Stellenwert ökonomischer Bildung
Antwort der CDU
Die CDU Rheinland-Pfalz möchte Menschen dazu befähigen, nicht nur ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten, sondern auch aktiv am gesellschaftlichen Zusammenleben mitwirken zu können. Ökonomische Bildung in all ihren Facetten ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung junger Menschen hin zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Sowohl bei Alltagsfragen wie dem privaten Haushalten mit dem eigenen Einkommen oder dem Umgang mit Krediten, als auch bei komplexeren und weitreichenden Entscheidungen wie der Berufswahl, der Vermögensbildung oder dem Verständnis für kluge Altersvorsorge – überall gilt gleichermaßen: Wer weiß, wie Sachverhalte zusammenhängen, wer Risiken und Chancen realistisch abschätzen kann, der kann verantwortungsvolle Entscheidungen treAen. Globale Dynamiken mit Blick auf Lieferketten, Energiepreise, Klimapolitik, Migration oder internationale Krisen wirken sich unmittelbar auf Arbeitsplätze, Preise und Lebensbedingungen vor Ort aus. Wer solche Wechselwirkungen versteht, kann politische Entscheidungen besser einordnen, populistische Vereinfachungen durchschauen und konstruktiv an Lösungen mitwirken – etwa bei Fragen nachhaltigen Wirtschaftens, fairen Welthandels oder der Digitalisierung der Arbeitswelt.
Ein gesteigertes Grundverständnis für ökonomische Zusammenhänge, bis hin in den globalen Kontext, hilft also nicht nur, das eigene Leben erfolgreich und eigenverantwortlich zu strukturieren, sondern auch demokratische Entscheidungen mit Wirtschaftsbezug nachzuvollziehen. Verständnis ermöglicht kluge Wahlentscheidungen und erhöht die Akzeptanz demokratischer Prozesse.
Vor diesem Hintergrund sehen wir als CDU Rheinland-Pfalz ökonomische Bildung als einen unverzichtbaren Bestandteil allgemeiner Bildung und einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe.
Antwort der SPD
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antwort der FDP
Ökonomische Bildung hat für uns Freie Demokraten einen hohen Stellenwert. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Allgemeinbildung und eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt, verantwortungsvoll und informiert gestalten können. In einer Zeit wachsender wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen ist es entscheidend, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, Entscheidungen einordnen zu können und die Folgen des eigenen Handelns abzuwägen – sowohl im privaten Alltag als auch im demokratischen Gemeinwesen.
Ökonomische Bildung befähigt junge Menschen, mit Geld, Arbeit, Ressourcen und Risiken reflektiert umzugehen, wirtschaftliche Prozesse kritisch zu hinterfragen und unterschiedliche Interessenlagen zu erkennen. Sie fördert damit nicht nur individuelle Handlungsfähigkeit, sondern auch Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Für uns ist sie deshalb ein wichtiger Beitrag zu einer mündigen Bürgerschaft und zur Stärkung der freiheitlich-demokratischen Ordnung.
2. Integration ökonomischer Bildung
Duch welche Maßnahmen stellt Ihre Partei sicher, dass ökonomische Bildungsinhalte im allgemeinbildenden Schulwesen in Rheinland-Pfalz, insbesondere aber in der lehrpraktischen Unterrichtsgestaltung der Integrationsfächer Sozialkunde und Gesellschaftslehre nicht mehr länger kaum berücksichtigt werden?
Antwort der CDU
Wir setzen uns für eine Stärkung des Bereichs Wirtschaft und Finanzen im Fach Sozialkunde ein. So wollen wir die Fähigkeit junger Menschen verbessern, wirtschaftliche Zusammenhänge einschätzen zu können und ihre Zukunft eigenverantwortlich zu gestalten. Dafür braucht es klare und verbindliche Ziele in den Lehrplänen – etwa zu Haushaltsführung, Verträgen, Banken, Unternehmen sowie dem Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft.
Ergänzend sollten ökonomische Themen fächerübergreifend aufgegriffen werden: In Mathematik kann mit Haushaltsbudgets und Krediten gerechnet werden, in Deutsch oder Fremdsprachen kann Werbesprache und Konsum reflektiert werden und im Rahmen von Bildung für nachhaltige Entwicklung kann über fairen Handel, Kreislaufwirtschaft und globale Lieferketten gesprochen werden.
Besonders wirksam sind zudem projektorientierte Formate wie z. B. Schülerfirmen oder Social-Entrepreneurship-Projekte, in denen reale Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, kalkuliert und präsentiert werden. Neben dieser Verankerung ökonomischer Bildung auf Schulebene braucht es auch eine Stärkung tragfähiger Kooperationen mit regionalen Unternehmen, Verbänden und Kammern. So können wir dafür sorgen, dass theoretische Inhalte nicht abstrakt bleiben, sondern für Schülerinnen und Schüler konkret erlebbar werden. Damit fördern wir Kreativität, Innovationsfähigkeit und Unternehmergeist junger Menschen, die Herausforderungen mutig angehen und lösen:
Das ist der Kern unternehmerischen Handelns. Auf Ebene der Kultusminister wollen wir uns darüber hinaus dafür einsetzen, dass sich Deutschland am Finanzmodul der regelmäßigen PISA-Studie beteiligt. Mit den daraus gewonnenen repräsentativen Daten wollen wir die Finanzbildung gezielt und unabhängig verbessern.
Antwort der SPD
Als SPD ist es uns wichtig, dass ökonomische Bildungsinhalte in allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz – vor allem in den Fächern Sozialkunde und Gesellschaftslehre – verbindlich und wirksam berücksichtigt werden: Ökonomische Bildung ist als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip verbindlicher Bestandteil aller allgemeinbildenden Schulen:
Das Fach Gesellschaftslehre führt politische, soziale, historische und ökonomische Perspektiven zusammen und stellt damit sicher, dass wirtschaftliche Fragestellungen systematisch im Unterricht behandelt werden können. Wir setzen bei der Ausgestaltung der Lehrpläne auf eine
kompetenz- und lebensweltorientierte Vermittlung, weil ökonomische Bildung eben nicht auf isoliertes Fachwissen abzielt, sondern auf die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, wirtschaftliche Entscheidungen zu analysieren, zu beurteilen und verantwortungsvoll zu treffen.
Dabei wird die lehrpraktische Umsetzung durch handlungs- und problemorientierte Unterrichtsformen gestärkt – insbesondere durch Planspiele, Projektunterricht, Fallanalysen und die Einbindung realer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fragestellungen. Das fängt ganz niedrigschwellig schon mit der Frage an: „Wozu brauche ich Taschengeld und wie komme ich damit aus?“ über die Frage „Wie eröffne ich ein Konto?“ bis hin zu komplexen Planspielen zu Unternehmensführung oder Produkteinführungen.
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antwort der FDP
Wir Freie Demokraten sehen die Notwendigkeit, ökonomische Bildungsinhalte im allgemeinbildenden Schulwesen in Rheinland-Pfalz sichtbarer und wirksamer zu verankern. In der laufenden Wahlperiode wurde bereits das Fach Sozialkunde ausgeweitet. Damit haben wir auch die strukturellen Voraussetzungen verbessert, um wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Fragestellungen im Unterricht stärker zu berücksichtigen. Diesen Prozess wollen wir weiter vorantreiben und der ökonomischen Bildung im Rahmen des Sozialkundeunterrichts mehr Bedeutung verschaffen. Ergänzend wurde die landesweite Handreichung zur Ökonomischen Bildung aktualisiert und erweitert, um Lehrkräften eine praxisnahe Unterstützung für den Unterricht zu bieten.
Für die kommende Wahlperiode setzen wir – im Einklang mit unserem Wahlprogramm – insbesondere auf strukturelle Verbesserungen. Ein zentraler Baustein ist die Einführung und Stärkung von Wahlpflichtfächern an allen Schulformen, ausdrücklich auch am Gymnasium. Die bisherigen Wahlpflichtfächer, darunter „Wirtschaft und Verwaltung“ (WuV), sollen zu vollwertigen Hauptfächern werden. Dadurch wird es möglich, ökonomische Bildung nicht nur integriert, sondern auch eigenständig, vertieft und praxisnah zu vermitteln. Perspektivisch eröffnen sich so auch Möglichkeiten für Leistungs- und Grundkursangebote in der Oberstufe.
Darüber hinaus stehen wir für mehr Schulfreiheit und Profilbildung. Schulen sollen stärker selbst entscheiden können, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie setzen – auch im Bereich der ökonomischen Bildung. Ergänzend haben wir uns für eine stärkere und praxisnähere Berufsorientierung eingesetzt, um Schülerinnen und Schülern frühzeitig realistische Einblicke in Wirtschaft und Arbeitswelt zu ermöglichen.
3. Lehrkräfteaus- und -weiterbildung
Antwort der CDU
Gut und modern ausgebildete Lehrkräfte sind ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg junger Menschen. Ökonomische Bildung soll deshalb systematisch in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung – Studium, Vorbereitungsdienst und Fort- und Weiterbildung – gestärkt werden. Bereits im Lehramtsstudium müssen verbindliche Module verankert werden, die Lehrkräfte fachlich und didaktisch dazu befähigen, ökonomische Inhalte kompetent zu vermitteln. Dies gilt insbesondere für Lehramtsstudierende im Fach Sozialkunde. In diesem Zusammenhang halten wir es für notwendig, die bestehenden Modulhandbücher zu überprüfen und weiterzuentwickeln, um ökonomische Inhalte angemessen und zeitgemäß abzubilden.
Unerlässlich ist aus unserer Sicht zudem eine bessere Information der Lehrkräfte über die Vielzahl an Projekten, Angeboten und Materialien zur ökonomischen Bildung, die in Anspruch genommen werden können. Hier setzen wir auf gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote, die Lehrkräfte in die Lage versetzen, diese Materialien didaktisch sinnvoll und gewinnbringend im Unterricht einzusetzen. Auch die berufliche Orientierung sowie weitere Querschnittsaufgaben wollen wir konsequent und verbindlich in der Lehrkräftebildung verankern.
Durch die Integration ökonomischer Sachverhalte in anderen Schulfächern stellen wir sicher, dass neben den Schülern auch Lehrkräfte regelmäßig Berührungspunkte mit ökonomisch relevanten Fragestellungen haben, die zur Auseinandersetzung einladen. Entsprechend werden wir geeignete Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte schaffen und prüfen, die finanzielle Allgemeinbildung ebenfalls verbindlich in allen drei Phasen der Lehrerbildung zu verankern.
Unser Ziel ist ein Schulalltag, in dem Schülerinnen und Schüler ökonomische Fragestellungen nicht nur abstrakt kennenlernen, sondern sie in verschiedenen Fächern, Projekten und realen Lebenssituationen verstehen, reflektieren und auf ihr eigenes Leben anwenden können.
Antwort der SPD
Ein zentraler Hebel zur Steigerung ökonomischer Inhalte ist die systematische Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Das Land stellt dafür ein vielfältiges Unterstützungssystem bereit, etwa durch das Beratungsnetzwerk Ökonomische Bildung, Fortbildungsangebote wie „Ökonomische Bildung Online“ und schulinterne Fachkonferenzen.
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antwort der FDP
Die akademische Ausbildung der Lehrkräfte für Sozialkunde braucht zukünftig qualitativ bessere Angebote im Bereich der ökonomischen Bildung und darf nicht als unwichtiges Nebenfach betrachtet werden. Nur eine fachlich sichere Lehrkraft kann auch qualitativ guten Wirtschaftsunterricht ermöglichen.
Die Qualität ökonomischer Bildung hängt entscheidend von gut ausgebildeten und regelmäßig fortgebildeten Lehrkräften ab. Deshalb wollen wir die Lehrkräfteaus- und -weiterbildung in diesem Bereich gezielt stärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei für uns das Pädagogische Landesinstitut, dessen Fortbildungsangebote wir weiter ausbauen und stärker bewerben wollen. Dabei sollen auch Kooperationen mit externen und privaten Anbietern möglich sein, sofern diese qualitativ hochwertig und praxisnah arbeiten.
Darüber hinaus setzen wir auf individuelle Anreize für kontinuierliche Fortbildung. Im Rahmen unseres Konzepts einer leistungsgerechten Bezahlung sollen regelmäßige Weiterbildungen – auch im Bereich der ökonomischen Bildung – ausdrücklich anerkannt und finanziell honoriert werden. Engagement, fachliche Aktualität und Weiterentwicklung müssen sich für Lehrkräfte lohnen. Das Leistungsprinzip sollte insgesamt im gesamten Bildungskontext an Bedeutung gewinnen.
Zudem wollen wir die Praxisanteile im Lehramtsstudium ausbauen. Eine stärkere Verzahnung von Theorie und schulischer Praxis trägt dazu bei, wirtschaftliche Inhalte nicht nur fachlich korrekt, sondern auch didaktisch wirksam im Unterricht umzusetzen.
In Verbindung mit den Plänen, das Wahlpflichtfach „Wirtschaft und Verwaltung“ an allen Schulformen einzuführen, kommen neben den Sozialkundelehrkräften auch Lehrkräfte für WuV an die Schulen, die ein deutlich stärker an den Wirtschaftswissenschaften orientiertes Studium absolviert haben und damit ökonomische Kenntnisse in die Schulen einbringen, von denen die Kollegien im Rahmen interner Fortbildungen profitieren können.
4. Geschlechtersensible ökonomische Bildung
Antwort der CDU
Eine umfassende und breit aufgestellte ökonomische Bildung umfasst selbstverständlich auch kritische Themen und Fragestellungen wie die wirtschaftliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Frauen und Mädchen müssen die gleichen Aufstiegs-, Einkommens- und Vermögenschancen haben – ausschlaggebend soll die persönliche Leistung sein, und nicht das Geschlecht.
Konkret bedeutet das: Unterrichtsmaterialien und Beispiele sollen Frauen und Männer gleichermaßen als Entscheiderinnen und Entscheider, Gründerinnen und Gründer sowie Fach- und Führungskräfte sichtbar machen. Zudem sollen Lehrkräfte im Studium und in Fortbildungen sensibilisiert und dabei unterstützt werden, eigene Erwartungen und unbewusste Vorurteile zu reflektieren.
Wir wollen Berufsorientierung und ökonomische Bildung enger verzahnen und Schülerinnen gezielt zu ermutigen, auch gut bezahlte, traditionell männlich dominierte Berufe und Studiengänge sowie unternehmerische Wege in den Blick zu nehmen. Dazu gehören Kooperationen mit weiblichen Vorbildern aus Wirtschaft, Finanzsektor und Selbstständigkeit, Mentoringprogramme und Praxiskontakte, die zeigen: Wirtschaft und Finanzen sind kein „Männerthema“.
Antwort der SPD
Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antwort der FDP
Wir Freie Demokraten stehen für eine Bildungspolitik, die junge Menschen unabhängig von Geschlechterrollen stärkt und ihnen ermöglicht, Entscheidungen nach ihren individuellen Interessen, Fähigkeiten und Lebensentwürfen zu treffen. Uns ist bewusst, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster – etwa im Umgang mit Geld, bei wirtschaftlichen Themen oder in der Berufsorientierung – noch immer zu Benachteiligungen von Mädchen und Frauen führen können.
Deshalb unterstützen wir gezielt Maßnahmen, die Selbstvertrauen, Kompetenzen und wirtschaftliche Eigenständigkeit von jungen Frauen fördern, etwa durch das Ada-Lovelace-Projekt. Ergänzend befürworten wir Informations- und Bildungsangebote im Bereich „Frauen und Finanzen“, die finanzielle Kompetenzen stärken und zu informierten Entscheidungen befähigen.
In der Schule setzen wir auf eine reflektierte Auseinandersetzung mit solchen Rollenbildern. Ziel ist es, wirtschaftliche Themen so zu vermitteln, dass sie für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen zugänglich sind, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und langfristig zu mehr Chancengleichheit beitragen. Letztlich führt ökonomische Kompetenz auch zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit und damit zu mehr Resilienz für jeden einzelnen Menschen.