Landtagswahl am 6. September 2026

WAHLPRÜFSTEINE Sachsen-Anhalt

Mit den folgenden Fragen wendete sich das BÖB an alle Parteien und Wählergruppen, die sich 2026 um den Einzug in den 9. Landtag des Landes Sachsen-Anhalt bewerben und bereits im 8. Landtag vertreten waren. Wir möchten den Parteien damit Gelegenheit geben, die bildungspolitischen Prioritäten ihrer Partei zu verdeutlichen und ihr Engagement für die Jugendlichen, die in Umfragen immer wieder großes und wachsendes Interesse an ökonomischen Themen zeigen, zu verdeutlichen. Gerne veröffentlichen wir nachfolgend alle Antworten, die eingegangen sind, ohne Kürzungen oder redaktionelle Veränderungen.

1. Stellenwert ökonomischer Bildung

Wie bewertet Ihre Partei den Stellenwert ökonomischer Bildungsanliegen einschließlich Wirtschaftsethik, Wirtschaftspolitik, Verbraucherbildung, Finanzbildung, Entrepreneurship Education und BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Herausforderungen, denen wir heute als Einzelne wie auch als demokratisch verantwortliche Gesellschaft gemeinsam gegenüberstehen?

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass Kinder in der Schule für die Zukunft lernen. Deswegen sind wir davon überzeugt, dass eine ökonomische Grundbildung sowie eine fundierte Studien- und Berufsorientierung für Jugendliche im Schulkontext notwendig und wichtig ist, um die Kinder und Jugendlichen auf die Zukunft vernünftig vorzubereiten. Es braucht eine Bildungspolitik, die neben den wirtschaftlichen Grundlagen auch digitale Kompetenzen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung bzw. politische Bildung sowie soziale und gesundheitliche Kompetenzen berücksichtigt und die Selbstlernkompetenz der Heranwachsenden stärkt.
Antwort der CDU

Ökonomische Bildung ist für die CDU Sachsen-Anhalt eine mündigkeitsrelevante Alltagskompetenz und praktischer Verbraucherschutz. Schülerinnen und Schüler müssen Verträge, Altersvorsorge, Zinsen und Verschuldung verstehen, bevor sie die Schule verlassen. Wir vermitteln Marktwirtschaft als ethisch fundierte Ordnung im Spannungsfeld von Freiheit, sozialer Verantwortung und Ökologie. Wir fördern Gründergeist, Eigeninitiative und technologische Innovationen. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verstehen wir lösungsorientiert und technologieoffen – Ökologie und Ökonomie gehören zusammen.

Antwort der FDP

Für die FDP ist die ökonomische Bildung ein zentrales Anliegen. Wir setzen uns dafür ein, dass ökonomisches Alltagswissen verstärkt Teil des schulischen Curriculums wird. Nur, wenn wir Schülerinnen und Schülern früh vermitteln, wie sie unabhängig und eigenständig wirtschaftlich handeln, können wir sie bestmöglich auf das spätere Berufsleben und z.B. die Rolle einer eigenen Altersvorsorge vorbereiten. Der Zweck der ökonomischen Bildung geht aus unserer Sicht aber über das reine Lernen über Steuern, Aktien und Kredite hinaus. Wir wollen, dass Schulen ein echtes „Macher-Mindset“ vermitteln – d.h. für unternehmerische Leistung begeistern und unternehmerisches Denken früh und aktiv fördern. Dies stärkt nicht nur langfristig die Innovationskraft unseres Bundeslandes, sondern erhöht die Selbstwirksamkeit jeder Schülerin und jedes Schülers. Vorankommen durch eigene Leistung, eigenständig auf den eigenen Beinen zu stehen und seine persönlichen Freiheiten mündig nutzen – all das wird indirekt durch eine bessere ökonomische Bildung vermittelt.

Antwort der SPD

Um sich in der modernen und komplexen Welt des 21. Jahrhunderts zurechtzufinden, ist das Wissen um wirtschaftliche und ökonomische Zusammenhänge von enormer Bedeutung. Schülerinnen und Schüler benötigen heute die notwendigen Kompetenzen, um wirtschafts- und sozialpolitische Abläufe, Mechanismen und Interessen zu verstehen, einzuordnen und sich dazu in regionalen, nationalen und internationalen Zusammenhängen und Wirtschaftsräumen zu verhalten. Es ist nicht nur das Verständnis der Beziehungen von Wirtschaft, Gesellschaft, Technik, Politik und Natur, das vermittelt werden soll, sondern es sollen auch eigene ökonomische Kompetenzen ausgebildet werden, um sich mit wirtschaftlichen Entwicklungsprozessen auseinanderzusetzen und sich dazu in einer aktiven gestaltenden und sozial verantwortlichen Teilhabe zu verhalten. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Regeln unserer Wirtschaftsordnung ebenso kennen wie unsere demokratischen Institutionen.

Um dieses Wissen und die Kompetenzen stärker in den Lehrplänen zu verankern, hat sich bereits die Deutschland-Koalition in ihrem Koalitionsvertrag auf Folgendes verständigt: „Ökonomische Bildung und Demokratiebildung sind essentielle Bestandteile, um die Jugend von heute angemessen auf die Herausforderungen von morgen im Rahmen eines eigenständigen und selbstbestimmten Lebens und gesellschaftlicher Teilhabe vorzubereiten. Der Erwerb dieser Fachkompetenz darf aus unserer Sicht keine Wahlentscheidung sein. Daher setzen wir uns mittelfristig für die Implementierung eines eigenständigen Pflichtfaches «Wirtschaft, Demokratie und Recht» auch im gymnasialen Schulzweig ein.“

Ab dem kommenden Schuljahr 2027/2028 wird das Fach Wirtschaft aufwachsend in den Schuljahrgängen 7 und 8 als Pflichtfach an den Gymnasien des Landes eingeführt werden. Die Lehrpläne werden dementsprechend angepasst. Es besteht die Möglichkeit, Wirtschaft als Wahlpflichtfach ab Schuljahrgang 9 bis zum Abitur fortzuführen. Bisher konnte am Gymnasium ab Schuljahrgang 9 das Wahlpflichtfach Wirtschaftslehre belegt werden. Die Inhalte dieses Faches werden in den neuen Fachlehrplan Wirtschaft aufgenommen. Wirtschaftliche Kompetenzen werden zudem fächerübergreifend in verschiedenen Fächern vermittelt und fakultative schulische Angebote wie Schülerfirmen ergänzen das Curriculum.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gibt es in Sachsen-Anhalt bereits seit über 25 Jahren in den schulischen und außerschulischen Angeboten. Jungen Menschen wird hier verantwortungsvollem Handeln in einer ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension in der Lehrkräftefortbildungen und in weiteren Netzwerken vermittelt.

2. Verankerung von ökonomischer Bildung

Die Landesregierung hat die verbindliche Einführung des Faches Wirtschaft ab dem Schuljahr 2027/28 beschlossen. Wie stellen Sie sicher, dass ausreichend qualifizierte Lehrkräfte für das Fach Wirtschaft zur Verfügung stehen? Welche Fortbildungs- oder Qualifizierungsangebote planen Sie?

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir Grünen standen und stehen der Einführung des verpflichtenden Wirtschaftsunterrichts an Gymnasien und der damit einhergehenden Kürzung von Geografie skeptisch gegenüber. Wir halten diese Einführung von nur einer Wochenstunde Wirtschaft nicht per se für den richtigen Schritt, wenn wir Schüler*innen auf ein selbstbestimmtes Leben in der modernen Gesellschaft vorbereiten wollen. Wirtschaftliche Themen sind in den Lehrplänen der Schulen fächerübergreifend verankert. Studien zeigen, dass in den Lehrplänen der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer die wirtschaftlichen Themen oft mehr Raum einnehmen als die politischen Inhalte. Für uns Grüne ist dies eine Entwicklung, die wir mit Sorge beobachten. Wir wollen stattdessen Wirtschaft, Klimaschutz und Verbraucherinnenbildung zusammenbringen. Dafür steht der Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), der in Sachsen-Anhalt weiterhin konsequent umgesetzt werden muss. Deshalb braucht es in diesem Sinne inhaltliche Anpassungen bei Lehrplan- und Bildungskonzepten sowie in der Lehrkräfteausbildung. Um Themen wie Existenzgründung und Unternehmertum an Schulen zu fördern, wollen wir vor allem die Gründung und Unterstützung von Schülerfirmen stärken. Denn am besten lernt man etwas, wenn man es selbst ausprobiert.
Antwort der CDU

Die Einführung des Pflichtfaches Wirtschaft ist ein Meilenstein unseres Regierungskurses. Wir sichern die Unterrichtsversorgung durch drei Säulen:

  • Gezielte Nachqualifizierung: Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) bietet Zertifikatskurse für Lehrkräfte verwandter Fächer (z. B. Sozialkunde, Geografie) an.
  • Ausbau des Studiums: Stärkung der Kapazitäten für das Lehramt Wirtschaft an den Universitäten Halle (MLU) und Magdeburg (OVGU).
  • Seiteneinstieg erleichtern: Entbürokratisierte Zugänge für Absolventen der Betriebswirtschafts-, Volkswirtschafts- oder Wirtschaftsingenieurwissenschaften inklusive pädagogischer Begleitqualifizierung.
Antwort der FDP
Die Einführung des Pflichtfachs Wirtschaft an Gymnasien für die Klassen 7 und 8, die bereits zum kommenden Schuljahr starten soll, ist ein großer bildungspolitischer Erfolg der FDP in dieser Landesregierung. Wir zeigen damit, dass ökonomische Bildung in unserem Bundesland mehr als nur ein Nebenthema ist, sondern ins Zentrum des bildungspolitischen Auftrags gehört. Wir schließen damit eine Lücke zwischen Gymnasium und Sekundarschule – Wirtschaft ist nicht nur ein Thema für eine, sondern für alle Schulformen. Wir wollen für die Realisierung des Schulfaches eine ausreichende Anzahl von grundständig ausgebildeten Lehrkräften, insbesondere über Weiterqualifizierung zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wollen wir das neue Pflichtfach auch dazu nutzen, Unterricht praxisorientierter zu denken. Wir wissen, dass es insbesondere im Bereich der ökonomischen Bildung viele außerschulische Vereine, motivierte Unternehmer und Freelancer oder Lernorte gibt, die bereit sind, ihr Wissen mit Schule zu teilen.

Wir wollen ermöglichen, dass diese Initiativen bürokratiearm und mit viel Beinfreiheit für die Schulen unkompliziert in den Unterricht eingebunden werden können. Unternehmerinnen und Unternehmer sollen von ihren Erfahrungen aus der Praxis berichten können, Initiativen mit Expertise zu Steuern, Altersvorsorge oder Verbraucherbildung über Projekte eingebunden und Kooperationen mit außerschulischen Lernorten intensiviert werden.

Wir wollen die Verbreitung des Schulfaches Wirtschaft auch eng mit der Berufsorientierung verknüpfen – ab Klasse 7 soll es unserer Auffassung nach bereits durch Praktika verbindliche Einblicke in den Berufsalltag geben.

Antwort der SPD

Die Ankündigung des Bildungsministeriums im Februar 2025 das Fach Wirtschaft (jeweils eine Wochenstunde) zum neuen Schuljahr 2025/2026 einzuführen, kam für die SPD überraschend, da es vorab keine Informationen und Vorbereitungen des zuständigen Ministeriums gab. Wir haben diese Maßnahme als kurzfristig und übereilt kritisiert, u.a. dass für eine flächendeckende Einführung nicht genügend ausgebildete bzw. weitergebildete Lehrkräfte gibt und es eine Reduzierung von Lehrplaninhalten Geographie und Sozialkunde bedeutet. Nach intensiven Gesprächen wurde die Etablierung auf ein Schuljahr später verschoben und die Themenbereiche miteinander besser verknüpft. Damals standen landesweit rund 105 Lehrkräfte mit einer Lehrbefähigung für Wirtschaft/Wirtschaftslehre zur Verfügung. Um das neue Fach Wirtschaft zu unterrichten, können auch Lehrkräfte für die Fächer Geographie und Sozialkunde eingesetzt werden. Es gibt darüber hinaus Fortbildungen am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) für Lehrkräfte für Geographie und Sozialkunde, um sich auf diese Aufgabe vorzubereiten, sich Wissen anzueignen bzw. aufzufrischen. Wir werden uns die weitere Entwicklung und Umsetzung genau anschauen und ggf. die Studienplätze an der OvGU für die Lehramtsausbildung im Fach Wirtschaft ausbauen.

3. Lehrkräfteaus- und Weiterbildung

Welche Maßnahmen im Bereich der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung wird Ihre Partei umsetzen, um dem Anspruch einer berufsbegleitenden Professionalisierung im Bereich der ökonomischen Bildung noch besser als heute gerecht zu werden?

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wir Grünen wollen die Lehrkräfteausbildung in Sachsen-Anhalt grundsätzlich reformieren. Die Lehrkräfteausbildung soll bedarfsgerecht reformiert und praxisnäher ausgerichtet werden. Dafür fordern wir:

  • Die Einführung eines Stufenlehramts, das das bisher getrennt nach Schulformen stattfindende Lehramtsstudium ablöst. Statt getrennter Lehrämter für Gymnasien und Sekundarschulen soll ein altersstufenbezogenes Lehramt geschaffen werden.
  • Das Grundschullehramt zu einem Primarstufenlehramt weiterzuentwickeln, in dem die angehenden Lehrkräfte neben Unterrichtsfächern auch Sonderpädagogik studieren, um die Inklusion insbesondere an Grundschulen zu stärken.
  • Dass neben dem Zwei-Fach-Lehramt auch ein Ein-Fach-Lehramt ermöglicht wird, insbesondere für die Fächer Kunst, Musik, und Sport.
  • Das duale Lehramtsstudium auszuweiten und an beiden Universitätsstandorten anzubieten.
  • Zu prüfen, ob an nichtuniversitären Hochschulen in Sachsen-Anhalt ebenfalls Lehramtsstudiengänge angeboten werden können.
  • Das Referendariat zu verbessern, indem die Vergütung erhöht und die Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte abgesichert wird.

Wir Grünen setzen uns grundsätzlich dafür ein, dass in der Lehrkräfteausbildung verstärkt die Vermittlung von Medienkompetenzen, Wirtschaft, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung bzw. politischer Bildung sowie sozialen und gesundheitlichen Kompetenzen gelehrt wird. Auch Inklusion und Integrationsförderung müssen in der Lehrkräfteausbildung verstärkt vermittelt werden. Wir wollen diese Themen auch in der Weiter- und Fortbildung von Lehrkräften stärken.

 

Antwort der CDU

Um die Lehrkräftefortbildung nah an der ökonomischen Realität zu halten, setzen wir auf die Verankerung von Unternehmenskontakten, Hospitationen und Partnerschaften mit IHKs, Handwerkskammern und Arbeitgeberverbänden. Außerdem auf Fortbildungen zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung der Arbeitswelt, FinTechs/Digitales Geld und nachhaltige Unternehmensführung und gezielte Anrechnungsstunden für Lehrkräfte, die sich berufsbegleitend im Fach Wirtschaft weiterqualifizieren.

Antwort der FDP
Die FDP setzt sich für eine verstärkte Praxisorientierung nicht nur in der Schule, sondern auch in der grundständigen Lehrerausbildung ein. Erste Schritte hierzu wurden in den Zielvereinbarungen mit den Universitäten festgelegt. Gleichzeitig wollen wir Kompetenzen im Bereich der digitalen, aber auch der fächerübergreifenden ökonomischen Bildung starker in der Ausbildung der Lehrkräfte verankern. Wie bereits in 2. angesprochen sehen wir im Bereich der ökonomischen Bildung viel Potential in der Einbindung auch fachfremden Wissens – nicht nur durch außerschulische Akteure sondern auch z.B. über den Seiteneinstieg. Um den Praxisschock für qualifizierte Kollegen zu verringern, setzen wir uns für verbindliches, 1,5- jähriges Qualifizierungsprogramm mit pädagogischer Schulung, begleitenden Fortbildungen und individuellem Mentoring ein. Gleichzeitig wollen wir durch eine Öffnung des Lehramtsstudiums für Absolventen der Fachhochschulreife auch diese Perspektiven, mit entsprechenden Nachqualifikationen, einbeziehen.
Antwort der SPD

Wir werden uns die derzeit vom LISA angebotenen Fort- und Weiterbildungen für den Bereich Wirtschaft/Ökonomische Bildung ansehen, mit den Akteuren sprechen und dann gemeinsam entscheiden, ob das Angebot den Anforderungen genügt oder ob es Veränderungen geben muss. Aktuell haben uns bisher keine Wünsche nach Veränderungen erreicht.

4. Geschlechtersensible ökonomische Bildung

Wie wirkt Ihre Partei darauf hin, dass geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen, die dem Themenfeld der ökonomischen Bildung zuzuordnen sind und im Ergebnis oft zur Benachteiligung von Mädchen und Frauen führen (u.a. Gender Gap bei Finanzen und der Berufswahl), in der Schule systematisch reflektiert und perspektivisch überwunden oder zumindest reduziert werden können?

Antwort BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir Grünen setzen uns für eine stärkere feministische Bildung in der Schule ein. Dabei wollen wir erreichen, dass in der Schule stärker Themen wie z. B. Gleichstellung der Geschlechter, Einfluss von Rollenbildern auf die Gesellschaft, aber auch die Entstehung und Auswirkung von Frauenhass, Sexismus und Antifeminismus unterrichtet werden. Dabei soll es auch um bestehende Ungerechtigkeiten wie die Gender Pay Gap oder die unausgewogene Verteilung der Carearbeit zwischen den Geschlechtern gehen. Außerdem wollen wir, dass im Unterricht starker die Leistungen und Errungenschaften von Frauen in Forschung und Wissenschaft, Geschichte, Kultur wie Literatur und Musik, Politik und Wirtschaft thematisiert werden. Damit werden weibliche Positivbilder vermittelt, welche die spätere Berufswahl der Mädchen und Frauen positiv beeinflussen können.
Antwort der CDU

Wir wirken der Benachteiligung von Mädchen und Frauen gezielt entgegen, indem wir Rollenbilder bei der Studien- und Berufswahl aktiv hinterfragen, sowie den Ausbau von MINT- und Wirtschaftsinitiativen für Schülerinnen fördern (z.B. Girl’s Day). Des Weiteren steht die CDU Sachsen-Anhalt für die pragmatische Vermittlung von Finanz- und Investmentwissen ein, um Hemmschwellen beim Vermögensaufbau frühzeitig abzubauen.

Antwort der FDP
Um Ungleichgewichte in der finanziellen Bildung abzubauen setzen wir auf Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen, um im Rahmen projektorientierten Unterrichts entsprechende Thematiken zu bearbeiten. Ziel muss es dabei sein, Gerechtigkeit im Zugang zu Wissen z.B. über Finanzen und Altersvorsorge nicht von einer starren Ergebnisgleichheit der Präferenzen zu denken, sondern aus Sicht einer Chancengerechtigkeit den gleichen Zugang zu ermöglichen.
Antwort der SPD

Wir sind der Meinung, dass Mädchen und junge Frauen faire Chancen auf gute Arbeit, sichere Ausbildung und wirtschaftliche Unabhängigkeit verdienen. Leider führen noch immer traditionelle Rollenbilder dazu, dass es zu einer ungleichen Verteilung von Sorgearbeit, strukturellen Benachteiligungen im Berufsleben kommt und Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, schlechter bezahlt werden oder seltener Führungsverantwortung übernehmen. Diese Ungleichheiten wollen wir gezielt abbauen.

Um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und insbesondere Mädchen für die Bereiche MINT, Handwerk und Wirtschaft stärker zu interessieren, setzen wir auf eine geschlechtersensible Berufsorientierung. Mit BRAFO – Berufswahl richtig angehen und frühzeitig orientieren – können Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 bis Klasse 9 ihre Talente und Interessen in verschiedenen Lebens- und Berufsfeldern (Technik, Soziales, Wirtschaft etc.) erkunden und erste praktische Erfahrungen in Praktika sammeln. Mit dem Girls- und Boys-Day gibt es zudem die Möglichkeit, einen Tag in einem anderen Berufsfeld Themen zu erkunden. Letztlich entscheiden viele Faktoren, welche Lebens- und Berufswege eingeschlagen werden.

Für Sachsen-Anhalt lässt sich aber sagen, dass der Gender Pay Gap nicht so stark ausgeprägt ist. Lohnunterschiede bestehen u.a. dort, wo Frauen in Teilzeit arbeiten und in Berufen mit geringerer Bezahlung arbeiten. Als SPD setzen wir uns für Tarifbindung, höhere Mindestlöhne und Geschlechtergerechtigkeit ein. Wir setzen auf die Durchsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie zu Berichtspflichten und Auskunftsrechten für Beschäftigte bezüglich vergleichbarer Gehälter.